Echte Begegnung ist echtes Leben – Urlaub von Whatsapp

Old Habits - New Habits signpost in a desert road backgroundSeit einem Jahr bin ich stolze Besitzerin eines Smartphones, das man mit mehr oder weniger nützlichen Apps ausstatten kann, unter anderem Whatsapp. Ich liebe Medien und Kommunikation, und alles was man nachrichtentechnisch damit anstellen kann.
Mit zunehmender Dauer der Nutzung insbesondere von Whatsapp stellte ich jedoch fest, dass immer mehr Nachrichten von immer mehr Menschen eintrudelten. Mit einigen konnte ich etwas anfangen, mit anderen weniger. Immer wieder erhielt ich Benachrichtigungen und erlebte in mir zunehmenden Druck, auch alle beantworten zu wollen. Klingt doof, aber ich bin nun mal ein Mensch, dem Verbindlichkeit wichtig ist, gerade in der Kommunikation.

Ab Herbst 2015 wurde selbst mir als bekennender Kommunikations- und Medienfreakin zuviel. Weil ich nicht mehr wusste, was „man“ auf Spaß-Videos antworten soll, oder auf Kettenbrief-Nachrichten die ich nicht haben will usw.

Nun habe ich mich erst einmal ausgeklinkt und mich aus der App rausgezogen.

Als Kind von ca. 8 Jahren wohnte ich mit meiner Familie schräg gegenüber von einer anderen Familie mit Kindern. Das Kinderzimmer von deren Tochter, mit der ich eng befreundet war, konnte ich von meinem Kinderzimmerfenster aus sehen, und wir haben uns irgendwann Morsezeichen überlegt, mit denen wir per Taschenlampe abends noch einander „Gute Nacht“ und ein paar andere Nachrichten morsen (!) konnten!
Aber jetzt kommt’s: Ich träumte bereits damals davon, dass ein Gerät erfunden würde, mit dem man sich richtige Nachrichten schreiben könne, auch wenn man sich nicht sähe. Das war 1983!

Und nun habe ich mich von Whatsapp abgemeldet, was bei einigen Freunden zu Irritationen führte, weil „man“ doch Whatsapp haben „muss“. Dabei bin ich noch auf allen anderen Kanälen zu erreichen. SMS, Facebook (!), E-Mail, auch kann man mich auf so etwas wie einem Festnetz anrufen, welches sich nur noch meldet wenn die eigenen Eltern anrufen.

Wenn Menschen mit ernstem Blick und gekrauster Stirn aufs Smartphone blicken, sind sie nicht im Hier und Jetzt, wo das Leben stattfindet.
Es wirkt autistisch auf mich, abgeschottet von der wirklichen Welt, von sich selbst. So wirke ich sicher auch, wenn ich aufs Smartphone schaue. Und ich merke: Das möchte ich für mich nicht.
Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass meine Faszination für die aktuellen Kommunikationsformen nicht erstirbt, irgendwann – bald wahrscheinlich – werde ich sicher wieder „bei Whatsapp sein“. Aber ich brauche gerade ein reduziertes Maß an Nutzung dieser Dinge.

Ich mache jetzt testweise für ein paar Wochen Urlaub von Whatsapp. Auch werde ich später Urlaub von Facebook machen, vielleicht auch von anderen Dingen. Einfach, um aufmerksam zu bleiben und im Hier und Jetzt zu bleiben. Denn DAS fühlt sich nach LEBEN an: Zu SEIN, wo ich BIN. Mit Körper, Geist UND Seele.
Ich würde mich auf dem sprichwörtlichen Sterbebett schwarz ärgern, wenn mir bewusst würde, dass ich so viel Lebenszeit mit virtueller Kommunikation vertan hätte.

Denn echte Begegnung ist echtes Leben.

Und es liegt auf der Hand, welche Bedürfnisse wir uns mit Whatsapp erfüllen.
Dabei können wir sie uns auch auf anderem Weg erfüllen!
Habt Ihr eine Idee? ;)

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